Rote Reihe, Heft 3
Was ist Buddhismus ?
Einführungsvortrag des Ökobuddistischen Arbeitskreises Hanau 
Wir haben uns entschlossen, ein Interview statt einer Besprechung des Heftes zu bringen. Unser Buchkommentator B. Brauns sprach mit dem Autor

Bert Brauns: Horst, als erstes wirst du uns sagen müssen, was der Ökobuddhistische Arbeitskreis Hanau ist.

horst gunkel: Leider gibt es den Arbeitskreis nicht mehr. Als ich zum Buddhismus kam war ich überrascht, dass der Dharma weitge-hend deckungsgleich ist mit der von mir tief empfundenen Ökologie, für die ich bis dahin politisch tätig war und der ich mich bei meiner Arbeit im ÖkoBüro Hanau noch heute verpflichtet fühlte. Anfang der 90er Jahre sind viele Menschen aus der Öko-Bewegung abgewandert, weil vieles dort frustrierend war, oder weil es in normaler politischer Arbeit erstickt ist. Ich kam damals zum Buddhismus und habe dadurch einen noch tieferen Einblick in das globale ökologische Netzwerk erhalten. Ich hoffte, diese Art der Bewusstseinserweiterung mit Menschen teilen zu können, die aus der Öko-Bewegung abdrifteten und die dennoch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und wahrem Engagement waren. Leider fand ich nicht genügend Menschen, die bereit waren diesen Weg mitzugehen. Der Ökobuddhistische Arbeitskreis musste nach anderthalb Jahren mangels Masse eingestellt werden.

B.B.: Und in dieser Gruppe wurde der Vortrag gehalten?

h.g.: Einmal monatlich wurde ein Einführungsvortrag angeboten. Ich habe zunächst mit dem begonnen, was wohl die zentrale Botschaft des Buddhismus ist, mit dem, was auch der Buddha in seiner ersten Lehrrede in Benares dargelegt hat: Den Vier Edlen Wahrheiten und dem Edlen Achtfachen Pfad. Allerdings musste ich feststellen, dass sich die Menschen sperrten, wenn es losging mit: "Letztendlich ist alles leidhaft." Hier wollten sie diskutieren und dadurch wurde nicht zum Verständnis vorgedrungen. Auch wenn ich eine Diskussion nicht gleich zuließ, führte dieser Anfang zu einer innerlichen Sperre, zu einer Blockade, die hinterher nicht mehr durchbrochen werden konnte. Also dachte ich darüber nach, wie ich den Kern des Buddhismus vermitteln könnte, ohne bei dem anzufangen, was ich für das Wesentliche hielt.

B.B.: Heraus kam der Vortrag: "Was ist Buddhismus ?"

h.g.: Genau. Auch hier erläutere ich die Vier Edlen Wahrheiten und den Edlen Achtfachen Pfad, allerdings erst am Ende, wenn die Leute Vertrauen gefasst haben. Ich beginne mit Inhalten, die Vertrauen aufbauen, mit Dingen die unserem westlichen Denken entsprechen.

B.B.: Was heißt das genau?

h.g.: Zum Eingang zitiere ich die bekannte Stelle aus dem Kalamer-Sutra, wo der Buddha seine Anhänger auffordert, nicht blind zu vertrauen, sondern kritisch zu prüfen. Damit sind die meisten Vorbehalte gegenüber dem, was den Menschen Religion so suspekt macht, ausgeräumt: kritisches Hinterfragen ist nicht nur nicht verboten, sondern sogar erwünscht. Dann komme ich auf das Entstehen in Abhängigkeit und bringe dazu Bei-spiele aus der Psychologie, anschließend bemühe ich die Kybernetik und die Evolutionslehre.

B.B.: Die Passage zur Evolution, die in dem Heft breiten Raum einnimmt, zeigt dass du von den Freunden des Westlichen Buddhistischen Ordens kommst; sie geht weitgehend konform mit den Darlegungen von Sangharakshita.

h.g.: Der Vortrag wurde gehalten vor meinem ersten Kontakt mit den FWBO, allerdings hatte ich schon einschlägige Literatur gelesen. Die Evolutionslehre ist etwas, womit sich gerade die christliche Religion so ungeheuer schwer getan hat. Wobei sich die klassische westliche Evolutionslehre ja nur auf biologische Phänomene bezieht. So wie ich sie beschrieben habe, ist sie allerdings ein Prinzip, das allgemein gilt: Alles Bestehende organisiert sich in einem hinreichend groß definierten zeitlichen und räumlichen Rahmen zu Strukturen höherer Komplexität.

B.B.: Überforderst du nicht die Leute mit solchen Sprüchen?

h.g.: Das Heft ist ja nicht von vorne bis hinten mit solchen Sätzen angefüllt. Vielmehr werden Beobachtungen in einer Weise geschildert, wie sie uns aus dem abendländischen, wissenschaftlichen Denken geläufig sind, und dann mit Beispielen erläutert.

B.B.: Deine Beispiele sind häufig sehr persönlich, ähnlich wie deine Un8samkeitskolumne im BuddhaNetz-Info. Was veranlasst dich zu solchem Seelen-Strip-Tease?

h.g.: Ich halte Beispiele für eingängig. Und ich habe in meinem Schulunterricht die Erfahrung gemacht, dass die Aufmerksamkeit dann größer ist, wenn die Zuhörer merken: der steht da echt dahinter, der berichtet von sich selbst. Daher habe ich das auch im BNI übernommen. Außerdem entspricht es dem achtsamen Beobachten: achtsam beobachtetet man an sich selbst, achtsam beobachtet man an anderen, achtsam beobachtet man abwechselnd an sich und an anderen, so steht es schon in dem Sutra von den Vier Grundlagen der Achtsamkeit.

B.B.: Abschließend eine ganz praktische Frage: an wen richtet sich das Heft, wem würdest du den Kauf empfehlen?

h.g.: Der Titel weist schon darauf hin, dass es eigentlich für Leute gedacht ist, die noch wenig (oder fast nichts) vom Buddhismus wissen. Die werden es allerdings sicher nicht kaufen, denn unsere Vertriebsstrukturen für die "Buddhistischen Hefte des ÖkoBüro Hanau" sind ja eher an Insider gerichtet. Da sich das Heft an Leute richtet, die zwar bereit sind, den Buddhismus zu beschnuppern, aber vielleicht noch sehr kritisch gegenüber allem eingestellt sind, was nach Religion riecht, meine ich, es ist das ideale Heft, das Budd-histen ihren Freunden schenken können: es ist nicht zu lang, gibt aber einen guten Ein-stieg und macht nicht mehr den Fehler mit Inhalten zu beginnen, bei denen die Men-schen innerlich abblocken.

B.B.: Danke, horst.

Das Heft kostet 5 EUR. Bestellen kann man das Heft hier: Buddhistische Bücher



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